Der Klient möchte nicht trinken. Wie kann man ihn ohne Streit und Druck zum Trinken motivieren?
„Ich möchte nicht.“
Auch diesen Satz hören Betreuungskräfte sehr häufig.
Diesmal geht es jedoch nicht ums Duschen oder Essen.
Der Klient möchte einfach nichts trinken.
Und je mehr die Betreuungskraft ihn zum Trinken überreden möchte, desto mehr lehnt er es ab.
Viele Betreuungskräfte glauben, der Senior sei stur oder wolle absichtlich nicht trinken.
In Wirklichkeit steckt jedoch meist viel mehr dahinter.
Warum trinken Senioren oft zu wenig?
Mit zunehmendem Alter nimmt das Durstgefühl ganz natürlich ab.
Senioren verspüren einfach nicht mehr so oft Durst wie jüngere Menschen.
Manche trinken absichtlich weniger, weil sie nicht so häufig zur Toilette gehen möchten.
Andere haben Schluckbeschwerden.
Menschen mit Demenz vergessen manchmal sogar, dass sie trinken sollten, oder sie erkennen das Durstgefühl nicht mehr.
Deshalb reicht es nicht aus, ein Glas Wasser auf den Tisch zu stellen und zu hoffen, dass der Klient von selbst trinkt.
Dehydration kann gefährlich werden
Flüssigkeitsmangel bedeutet nicht nur Durst.
Er kann verursachen:
Kopfschmerzen,
Müdigkeit,
Verstopfung,
Harnwegsinfektionen,
niedrigen Blutdruck,
Schwindel und Stürze,
Verwirrtheit, die sogar wie eine Verschlechterung der Demenz wirken kann.
Manche Senioren müssen wegen einer Dehydration sogar ins Krankenhaus.
Dabei hätte man sie oft mit einfachen Maßnahmen verhindern können.
Was funktioniert meistens nicht?
Viele Betreuungskräfte wiederholen im Laufe des Tages immer wieder denselben Satz:
„Sie müssen etwas trinken.“
Nach dem fünften oder zehnten Mal lehnt der Klient diese Aufforderung oft automatisch ab.
Statt Druck auszuüben, ist es besser, einen anderen Weg zu wählen.
Wie kann man den Klienten zum Trinken motivieren?
Oft helfen schon kleine Veränderungen.
Bieten Sie mehrmals täglich kleine Mengen an.
Stellen Sie das Getränk gut sichtbar und in Reichweite des Klienten auf.
Verwenden Sie seine Lieblingstasse oder sein Lieblingsglas.
Verfeinern Sie Wasser – wenn es der Gesundheitszustand erlaubt – mit einer Zitronen- oder Orangenscheibe oder etwas Minze.
Manche Senioren trinken lieber warmen Tee als kaltes Wasser.
Auch Suppen, wasserreiches Obst oder ungesüßte Kompotte können zur täglichen Flüssigkeitsaufnahme beitragen.
Manchmal hilft es auch, wenn sich die Betreuungskraft zum Klienten setzt und gemeinsam mit ihm trinkt.
Nicht zwingen – motivieren
Niemand wird gerne zu etwas gezwungen.
Das gilt auch für das Trinken.
Ein ruhiger Tonfall, ein freundliches Lächeln und ein natürliches Angebot sind oft wirkungsvoller als ständiges Überreden.
Lehnt der Klient jetzt ab, versuchen Sie es zehn oder fünfzehn Minuten später noch einmal.
Vielleicht ist die Reaktion dann schon ganz anders.
Wann sollte man aufmerksam werden?
Wenn der Klient über längere Zeit kaum trinkt, sehr schläfrig oder verwirrt ist, dunklen Urin hat oder sich sein Gesundheitszustand verschlechtert, sollte die Situation nicht unterschätzt werden.
In diesem Fall ist es wichtig, die Angehörigen, die Vermittlungsagentur oder den behandelnden Arzt zu informieren.
Jeder Schluck zählt
Eine gute Betreuungskraft weiß, dass ausreichendes Trinken keine Kleinigkeit ist.
Manchmal kann schon ein einziges Glas Wasser darüber entscheiden, ob sich der Klient wohlfühlt oder gesundheitliche Komplikationen entwickelt.
Deshalb sollte man nicht kämpfen.
Man sollte nach Wegen suchen, den Klienten zu motivieren.
Und oft ist Geduld das wirksamste „Rezept“.
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