Wenn ein Mensch mit Demenz immer wieder dieselbe Frage stellt
„Wann kommt meine Tochter?“
Fünf Minuten später:
„Wann kommt meine Tochter?“
Und weitere fünf Minuten später wieder:
„Wann kommt meine Tochter?“
Für Betreuungskräfte kann das sehr belastend sein.
Besonders dann, wenn sie die Antwort bereits:
zehnmal
zwanzigmal
oder fünfzigmal
gegeben haben.
Und trotzdem kommt die Frage immer wieder.
Warum passiert das?
Bei Demenz wird das Kurzzeitgedächtnis beeinträchtigt.
Das bedeutet:
Der Klient hört die Antwort.
Er versteht sie.
Aber kurze Zeit später erinnert er sich nicht mehr daran.
Es ist keine Sturheit.
Es geschieht nicht absichtlich.
Das Gehirn kann neue Informationen einfach nicht mehr speichern.
Für den Klienten ist es oft das erste Mal
Zumindest aus seiner Sicht.
Deshalb ist er oft überrascht, wenn die Betreuungskraft genervt reagiert:
„Das habe ich Ihnen doch schon gesagt!“
Wie kann das im Alltag aussehen?
Warten auf die Familie
„Wann kommt mein Sohn?“
Ein paar Minuten später:
„Kommt mein Sohn bald?“
Und wieder:
„Wann kommt er?“
Fragen nach der Uhrzeit
Wie spät ist es?
Eine Minute später:
Wie spät ist es?
Wiederkehrende Sorgen
Wo ist meine Handtasche?
Habe ich die Tür abgeschlossen?
Verpasse ich meinen Arzttermin?
Hinter der Frage steckt oft Angst oder Unsicherheit.
Was ist der größte Fehler?
Ärger
„Das habe ich Ihnen doch schon gesagt!“
„Können Sie sich denn gar nichts merken?“
„Hören Sie auf, ständig zu fragen!“
Der Klient vergisst die Antwort.
Aber das Gefühl, das Sie ihm dabei vermittelt haben, bleibt oft länger.
Was hilft?
Ruhig antworten
Auch wenn es das zehnte Mal ist.
Die Emotion hinter der Frage erkennen
Manchmal braucht der Klient keine Information.
Er braucht Sicherheit.
Visuelle Hilfen nutzen
Zum Beispiel:
einen Zettel
einen Kalender
eine Uhr
einen Tagesplan
Die Aufmerksamkeit umlenken
Nach der Antwort können helfen:
ein Gespräch
eine Tasse Tee
Musik
Fotos
Es nicht persönlich nehmen
Der Klient testet Sie nicht.
Er kämpft mit seiner Krankheit.
Und noch etwas sehr Wichtiges
Wenn dieselbe Frage immer wieder gestellt wird, steckt dahinter oft:
Angst
Unsicherheit
Einsamkeit
oder das Bedürfnis nach Sicherheit
Manchmal muss man deshalb nicht nur die Frage beantworten.
Sondern auch das Gefühl dahinter.
Fazit
Wenn ein Mensch mit Demenz dieselbe Frage zwanzigmal am Tag stellt ...
macht er das nicht absichtlich.
Er provoziert nicht.
Er möchte Sie nicht ärgern.
Sein Gehirn kann die Antwort einfach nicht mehr speichern.
Und deshalb ist manchmal nicht die richtige Antwort das größte Geschenk.
Sondern Geduld.
Kategorien
Demenz
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